{"id":29,"date":"2019-03-01T20:13:57","date_gmt":"2019-03-01T19:13:57","guid":{"rendered":"https:\/\/kampfkunstschule-wuppertal.de\/atk\/?page_id=29"},"modified":"2019-03-24T00:47:36","modified_gmt":"2019-03-23T23:47:36","slug":"prinzipien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kampfkunstschule-wuppertal.de\/atk\/prinzipien\/","title":{"rendered":"Prinzipien"},"content":{"rendered":"\n<p>Ver\u00f6ffentlicht in der Fachzeitschrift der Budo Akademie Europa \u201eBudo International\u201c, Ausgaben 65\/2014 und 66\/2015.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"281\" height=\"211\" src=\"https:\/\/www.kampfkunstschule-wuppertal.de\/atk\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/03\/budoakademie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2>Die aus dem Pr\u00fcfungsprogramm abgeleiteten Prinzipien der ATK-SV und ihre Bedeutung<\/h2>\n\n\n\n<p>Kai M. Jacobi<\/p>\n\n\n\n<p>Die ATK-SV ist als reine Selbstverteidigung konzipiert. Die einen rechtswidrigen Angriff beendende und gesetzlich zul\u00e4ssige Verteidigung ist oberstes Systemziel. Stilpr\u00e4gendes Element der ATK-SV sind die einzelnen Techniken des Pr\u00fcfungs-programms; diese stehen beispielhaft f\u00fcr die hinter der ATK-SV stehende Idee. Betrachtet man die Programmtechniken in ihrer Gesamtheit, lassen sich widerkehrende Prinzipien ableiten, mittels derer die Wirkungs- und Funktionsweise der ATK-SV abstrakt beschrieben werden kann. In diesem Sinne ist zu unterscheiden zwischen Systemprinzipien und Technikprinzipien.<\/p>\n\n\n\n<h2>1. Die Systemprinzipien der ATK-SV<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Systemprinzipien beschreiben allgemeing\u00fcltig Grunds\u00e4tze, die zur Erreichung des Systemziels Anwendung finden sollen. Sie definieren also den \u00fcbergeordnet geltenden Systemrahmen der ATK-SV.<\/p>\n\n\n\n<h3>1.1. Das Erfolgsprinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Oberste Maxime in der ATK-SV ist erfolgsorientiertes und effektives Handeln. Jede Aktion ist direkt darauf ausgerichtet, einen rechtswidrigen Angriff schnell zu beenden und die eigene Gef\u00e4hrdung so gering wie m\u00f6glich zu halten. Eine ATK-Technik ist im erlaubten rechtlichen Rahmen zweckgebunden, direkt und wirkungsvoll; erlaubt ist dabei, was hilft und dem Verteidigungserfolg dienlich ist.<\/p>\n\n\n\n<h3>1.2. Das Nachhaltigkeitsprinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>In der ATK-SV ist die k\u00f6rperliche Verteidigung das letztm\u00f6gliche Mittel zur Konfliktl\u00f6sung, das erst dann zum Tragen kommt, wenn alle anderen Vermeidungsstrategien nicht zum gew\u00fcnschten Erfolg gef\u00fchrt haben. Ist der Kampf aber unvermeidbar, so bedeutet nachhaltige Verteidigung in diesem Sinne konsequentes Vorgehen bis zur Beendigung des Angriffs unter Verwendung aller K\u00f6rperwaffen und ggf. sonstiger zur Verf\u00fcgung stehender Mittel. Ein Loslassen oder Zur\u00fcckweichen im Verteidigungsfall kommt nicht in Betracht; vielmehr wird sich mit vollem Einsatz verteidigt, bis von dem Angriff keine Gefahr mehr ausgeht. Einfach ausgedr\u00fcckt bedeutet das Nachhaltigkeitsprinzip: Wenn, dann richtig!<\/p>\n\n\n\n<h3>1.3. Das Effizienzprinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Das der ATK-SV enthaltene Effizienzprinzip besagt, dass der Verteidigungserfolg auf m\u00f6glichst einfachem Wege erreicht werden soll. Das bedeutet im Einzelnen wenig Kraftaufwand und einfache und \u00f6konomische Bewegungsabl\u00e4ufe bei der Durchf\u00fchrung der ATK- Techniken unter Gew\u00e4hrleistung des beabsichtigten Erfolges; alles \u00dcberfl\u00fcssige und Komplizierte wird weggelassen. Dementsprechend verzichtet die ATK-SV auf diffizile Hebeltechniken und komplexe W\u00fcrfe. Eine ATK-Technik orientiert sich an den nat\u00fcrlichen Bewegungsabl\u00e4ufen, ist daher in der Regel leicht lern- und durchf\u00fchrbar und auch unter Stress leicht abrufbar. In der Notwehrsituation ist so entschlossenes Handeln m\u00f6glich. Auf den Punkt gebracht lautet das Effizienzprinzip: Minimaler Aufwand und maximaler Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<h3>1.4. Das Universalprinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Reaktionszeit auf einen Angriff verl\u00e4ngert sich zwangsl\u00e4ufig mit zunehmender Zahl der zu treffenden Entscheidungen. Konkret bedeutet das: je h\u00f6her die Technikauswahl im Verteidigungsfall, desto schwieriger die Entscheidungsfindung desto langsamer die Reaktion. Die in der ATK-SV verwendeten Technikelemente sind daher in der Regel gegen eine Vielzahl von Angriffen universell einsetzbar und wirksam. Verwendet werden ausgesuchte Techniken mit gro\u00dfer Wirkung, die gleichzeitig vielseitig anwendbar sind. Der begrenzte Technikfundus erleichtert die Entscheidungsfindung und verk\u00fcrzt die Reaktionszeit. Dar\u00fcber hinaus automatisieren sich Bewegungsabl\u00e4ufe durch regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbung gleicher Bewegungen. Die ATK-SV setzt also auf Reduktion, d.h. auf sorgf\u00e4ltige Auswahl der einzelnen Verteidigungselemente, kurz ausgedr\u00fcckt auf \u201eQualit\u00e4t statt Quantit\u00e4t\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3>1.5. Das Jedermann-Prinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Die in der ATK-SV eingesetzten Technikelemente sind so konzipiert, dass sie von den meisten Personen gegen die meisten Personen eingesetzt werden k\u00f6nnen. Sie wirken also im Idealfall von jedermann gegen jedermann bzw. lassen sich durch kleinste Ver\u00e4nderungen an die eigenen k\u00f6rperlichen Gegebenheiten sowie die des Angreifers anpassen ohne ihre Wirkungsweise zu verlieren. Neben dem Universalprinzip ist das Jedermann-Prinzip das Prinzip, das entscheidend zur Verk\u00fcrzung der Entscheidungsprozesse und damit zum Erfolg der Verteidigungshandlung beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<h3>1.6. Das Kontrollprinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Die durchgehende Kontrolle des Angreifers ist wesentliches Merkmal der ATK-SV. Daher beinhalten die Techniken in der Regel einen durchg\u00e4ngigen Verteidigungsansatz von der ersten Abwehrreaktion bis zur Neutralisierung des Angriffs. Ist die Distanz zum Angreifer \u00fcberbr\u00fcckt und direkter Kontakt aufgenommen, bleibt dieser von der ersten Verteidigungshandlung bis zur Beendigung des Angriffs bestehen, was die dauernde Kontrolle des Angreifers erm\u00f6glicht. Wenn m\u00f6glich, wird ein einmal gew\u00e4hlter Griff nicht mehr gel\u00f6st, sondern konsequent bis zur Beendigung des Angriffs beibehalten. Ist ein \u00dcbergang zu einer weiteren Technik erforderlich, werden Verteidigungsl\u00fccken, die der Angreifer ausn\u00fctzen k\u00f6nnte, vermieden.<\/p>\n\n\n\n<h3>1.7. Das Schlussprinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Das in der ATK-SV enthaltende Schlussprinzip ber\u00fccksichtigt, dass es mehrere M\u00f6glichkeiten gibt, eine Verteidigung abzuschlie\u00dfen bzw. einen Angriff zu beenden. Vorgesehen sind die Beendigungen durch Atemi-, Festhalte- oder Transporttechniken. So sind die ATK-Griffe in der Regel so konzipiert, das das abschlie\u00dfende Festhalten am Boden oder das Transportieren des Angreifers m\u00f6glich ist. Das Pr\u00fcfungsprogramm enth\u00e4lt auch eine Reihe von Transport- und Festhaltegriffen, die bei Bedarf angewandt werden k\u00f6nnen. Bei der Verteidigung gegen bewaffnete Angriffe beinhaltet das Schlussprinzip immer auch das Entwaffnen des Angreifers.<\/p>\n\n\n\n<h3>1.8. Das First-Strike Prinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Das deutsche Notwehrrecht l\u00e4sst auch eine Verteidigung gegen einen unmittelbar bevorstehenden Angriff sowie die Nothilfe zu. Das bedeutet, dass ein ausschlie\u00dflich auf Verteidigungshandlungen beschr\u00e4nktes SV-System die M\u00f6glichkeiten des rechtlich Zul\u00e4ssigen nicht vollst\u00e4ndig aussch\u00f6pft. Um einen umf\u00e4nglichen Verteidigungsansatz zu gew\u00e4hrleisten, beinhaltet die ATK-SV auch eine Reihe von Angriffsaktionen. Diese kommen im Wesentlichen in Situationen zur Anwendung, wenn es darauf ankommt, einem unmittelbar bevorstehenden Angriff zuvorzukommen, werden aber auch eingesetzt, um aktiv einen gegenw\u00e4rtigen, rechtswidrigen Angriff von einem Dritten abzuwehren.<\/p>\n\n\n\n<h2>2. Die Technikprinzipien der ATK-SV<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Technikprinzipien beschreiben konkret die praktische Umsetzung der Systemziele unter Ber\u00fccksichtigung der Systemprinzipien. Aufgez\u00e4hlt werden hier nur die spezifischen und grundlegenden Technikprinzipien der ATK-SV; allgemeing\u00fcltige \u201eBudo-Prinzipien\u201c wie z.B. der Gleichgewichtsbruch oder das Ausnutzen der Hebelwirkung gegen Gelenke des Angreifers gelten nat\u00fcrlich auch in der ATK-SV, werden aber in die nachfolgende Betrachtung nicht weiter einbezogen.<\/p>\n\n\n\n<h3>2.1. Einsatz aller K\u00f6rperwaffen insbesondere der Handkralle<\/h3>\n\n\n\n<p>In der ATK-SV werden alle zur Verf\u00fcgung stehende K\u00f6rperwaffen \u2013 Hand, Ellenbogen, Fu\u00df, Knie \u2013 zur Verteidigung eingesetzt. Zu den technischen Besonderheiten des Systems geh\u00f6rt die Verwendung der Handkralle. Diese eher unkonventionelle Handhaltung wird \u00fcber das Schlagen, Fassen und Rei\u00dfen hinaus auch in der Grundstellung vor einem Angriff und w\u00e4hrend des Angriffs beim Abblocken eines Schlages eingesetzt. Der Einsatz der Krallenhand erlaubt Schl\u00e4ge mit dem Handballen, dem Handr\u00fccken der Handkante sowie den Handkn\u00f6cheln. Dar\u00fcber hinaus werden kr\u00e4ftige Rei\u00df- und Drucktechniken, ein schnelles Fassen und Ballen zur Faust erm\u00f6glicht. Der Vorteil der Krallenhand zeigt sich deutlich bei dem f\u00fcr die ATK-SV typischen Schockschlag zur Kehle des Angreifers, bei dem gleichzeitig auch gegen die Kehlkopfnerven gedr\u00fcckt wird. Der Angreifer wird durch diese Schlag\/ Griffkombination nahezu sofort au\u00dfer Gefecht gesetzt. Eine derart effektive Technik kann nur mit der Krallenhand durchgef\u00fchrt werden. Die Vielseitigkeit der Handkrallen wird noch dadurch erh\u00f6ht, dass sie die Mittelstellung zwischen der offenen und der geschlossenen Handhaltung (Faust) ist. Ein schnelles Wechseln von der einen zur anderen Handhaltung ist daher problemlos m\u00f6glich. Damit verschlie\u00dft sich die Krallenhand den anderen Handhaltungen nicht. Im Gegenteil, die Hand wird zu einem effektiven Werkzeug, das in der Verteidigung aber auch im Angriff je nach Bedarf zweckgebunden eingesetzt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h3>2.2. Ausnutzen empfindlicher K\u00f6rperstellen insbesondere Nervendruckpunkte<\/h3>\n\n\n\n<p>Die besondere Effektivit\u00e4t der ATK-SV wird erm\u00f6glicht durch das gezielte Ausnutzen bestimmter Schwachstellen des menschlichen K\u00f6rpers durch Schlag, Druck oder Zug. Zentrale Angriffspunkte sind Nervenzentren (z.B. Solar Plexus), zentrale Nerven (z.B. Nervus Trigeminus) und ungesch\u00fctzte empfindliche K\u00f6rperstellen (z.B. Augen, Ohren, Kehle, Unterleib). Entscheidendes Kriterium f\u00fcr die in der ATK-SV verwendeten empfindlichen K\u00f6rperstellen sind die leichte Erreichbarkeit und hohe Schmerzempfindlichkeit. In diesem Sinne sind die ATK-SV relevanten empfindlichen K\u00f6rperstellen unabh\u00e4ngig Kleidung erreichbar und wirken bei jedermann.<\/p>\n\n\n\n<h3>2.3. Schnelle Distanz\u00fcberbr\u00fcckung<\/h3>\n\n\n\n<p>Zu den grundlegenden Bewegungen in der ATK-SV geh\u00f6ren die Eing\u00e4nge. Bei den Eing\u00e4ngen handelt es sich um direkte, gradlinige Vorw\u00e4rtsbewegungen die im Wesentlichen zur Distanz\u00fcberbr\u00fcckung aber auch als Ausweichbewegung genutzt werden. Sie erm\u00f6glichen eine schnelle Ann\u00e4hrung an den Angreifer und gew\u00e4hrleisten eine bestm\u00f6gliche Stellung f\u00fcr Folgetechniken, die dann ebenfalls schnell und unmittelbar ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Die ATK-SV unterscheidet zwischen einfachen und doppelten Au\u00dfeneing\u00e4ngen sowie den Inneneing\u00e4ngen. Die einfachen Au\u00dfeneing\u00e4nge werden genutzt um einem Schlag oder Tritt auf die sichere Au\u00dfenseite des Angreifers auszuweichen und gleichzeitig in die Nahdistanz zu wechseln. So ist die Kombination von Au\u00dfeneingang mit einer kreisf\u00f6rmigen Bewegung eines der fundamentalsten und am h\u00e4ufigsten verwendeten Bewegungsmuster in der ATK-SV. Die doppelten Au\u00dfeneing\u00e4nge dienen der Distanz\u00fcberbr\u00fcckung aus der Ferndistanz in die Nahdistanz; gew\u00e4hrleistet wird eine schnelle und direkte Ann\u00e4hrung an den Angreifer mit bestm\u00f6glicher Positionierung an der sicheren Au\u00dfenseite des Angreifers. Die Inneneing\u00e4nge dienen vorwiegend der Wurfvorbereitung. Dar\u00fcber hinaus finden die Eing\u00e4nge auch bei den Angriffsaktionen der ATK-SV Anwendung.<\/p>\n\n\n\n<h3>2.4. Kopfkontrolle<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine Verteidigungshandlung bzw. eine Angriffsaktion, die gegen den Kopf des Angreifers gerichtet ist, hat psychisch und physisch eine extrem hohe Wirkung, da der der Kopf in der Regel ungesch\u00fctzt und an einigen Stellen besonders empfindlich ist. Die Kontrolle des Kopfes durch konsequentes Ausnutzen der zug\u00e4nglichen empfindlichen K\u00f6rperstellen ist daher ein ganz zentrales und von anderen Systemen abgrenzendes technisches Prinzip der ATK-SV, das im Rahmen der Programmtechniken in nahezu allen Stadien der Verteidigung angewandt wird. So erm\u00f6glicht die in der ATK-SV praktizierte Kopfkontrolle insbesondere das \u201ezu Boden bringen\u201c in alle Richtungen, aber auch das Festhalten sowie das Transportieren des Angreifers. Das kreisf\u00f6rmige zu Boden bringen erfolgt u.a. in Verbindung mit einem Fassen an Haaren oder Ohren und Rei\u00dfen des Kopfes nach hinten bei gleichzeitigem Griff in die Kehlnerven; das Herunterbringen nach vorne durch einen Schlag mit der linken Krallenhandkannte in den Nacken und Griff mit der rechten Hand in die Haare des Angreifers. Beim Herunterbringen nach hinten wird der Kopf des Angreifers nach hinten so \u00fcberstreckt, dass ein Stehenbleiben nicht mehr m\u00f6glich ist. Bei Durchf\u00fchrung der ATK-W\u00fcrfe und im Bereich der Angriffsaktionen spielt die Kopfkontrolle ebenfalls eine zentrale Rolle. H\u00e4ufig verwendeter technischer Ansatz beim Festhalten ist der Griff in die Kehle in Verbindung mit dem Fixieren des Kopfes am Boden (\u201eKehlkopfnervenpresse\u201c) oder das \u00dcberstrecken des Kopfes nach hinten. Mittels durchgehender Kopfkontrolle wird ein umfassender SV-Ansatz von der Verteidigung bis zum Festlegen bzw. Abtransport des Angreifers gew\u00e4hrleistet (Kontrollprinzip). Das in den Techniken des Pr\u00fcfungsprogramms verankerte zentrale technische Prinzip lautet vereinfacht ausgedr\u00fcckt: Kopfkontrolle bedeutet K\u00f6rperkontrolle.<\/p>\n\n\n\n<h3>2.5. Kreisf\u00f6rmige Bewegungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, verzichtet die ATK-SV \u2013 abgesehen von wenigen Ausnahmen (\u201eFu\u00dfw\u00fcrfe\u201c) \u2013 auf klassische und vom Bewegungsablauf eher komplexe W\u00fcrfe aus dem Judo\/Jiu-Jitsu. Vielmehr wird der Angreifer oftmals durch Durchf\u00fchrung von kreisf\u00f6rmigen Bewegungen \u201ezu Boden gebracht\u201c. Durch das dadurch bedingte Wirken von Zentrifugal- und Zentripetalkr\u00e4ften werden die Standfestigkeit und das Gleichgewicht des Angreifers gebrochen. Besonders typisch f\u00fcr die ATK-SV ist in diesem Zusammenhang das kreisf\u00f6rmige zur\u00fcckgehen mit dem linken Bein in Kombination mit einem Griff in die Kehle.<\/p>\n\n\n\n<h3>2.6. K\u00f6rperabbiegen<\/h3>\n\n\n\n<p>Das K\u00f6rperabbiegen nach hinten ist als Technikprinzip auf vielfache Weise im Pr\u00fcfungsprogramm verankert und daher f\u00fcr die ATK-SV von besonderer Bedeutung. In Kombination mit der Kontrolle des Kopfes ist dieses Prinzip in erster Linie \u2013 so wie die kreisf\u00f6rmige Bewegung \u2013 ein technisches Mittel, den Angreifer zu Boden zu bringen. Durch \u00dcberstrecken des Kopfes und der Wirbels\u00e4ule wird der Angreifer aus dem Gleichgewicht gebracht und nach hinten abgesetzt. So gebraucht findet es sich im Pr\u00fcfungsprogramm sowohl im Bereich der Verteidigungstechniken als auch im Bereich der Angriffsaktionen. Dar\u00fcber hinaus wird das Prinzip insbesondere beim Festlegen aber auch beim Transportieren angewendet und deckt damit das gesamte Spektrum der ATK-SV ab. Die Systemprinzipien werden hier besonders beispielhaft umgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<h2>3. Die prinzipienorientierte Verteidigungsstrategie der ATK-SV<\/h2>\n\n\n\n<p>Die dargestellten Prinzipien werden in den Programmtechniken in einem oftmals wiederkehrenden Bewegungsmuster umgesetzt, aus dem sich die grunds\u00e4tzliche Verteidigungsstrategie der ATK-SV ableiten l\u00e4sst. Diese prinzipienorientierte Verteidigungsstrategie kann schematisch wie folgt dargestellt werden:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Schnelle Distanz\u00fcberbr\u00fcckung \u2013 Kopfkontrolle \u2013 zu Boden bringen \u2013 Abschluss.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2>4. Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die hier vorgenommene Betrachtung der Programmtechniken in ihrer Gesamtheit zeigt, dass die ATK-SV auf definierbaren Prinzipien und einer grunds\u00e4tzlichen Verteidigungsstrategie beruht. Insbesondere die konsequente Beachtung der System- und Technikprinzipien f\u00fchrt in der Regel zu einer ATK-Technik. So kann anhand der aufgestellten Prinzipien eine \u00dcberpr\u00fcfung von freien bzw. selbst entwickelten Techniken auf ihre \u201eATK-Konformit\u00e4t\u201c vorgenommen und das System so weiterentwickelt werden. Dabei ist in erster Linie entscheidend, dass Technik und neue Ans\u00e4tze in dem durch die Systemprinzipien gesetzten Rahmen bewegt, also die Kriterien \u201eerfolgsorientiert\u201c, \u201eeffizient\u201c usw. erf\u00fcllt. Diese Prinzipien bilden daher das dogmatische Fundament des Systems. Die technischen Prinzipien hingegen m\u00fcssen sich nicht zwingend alle in einer Technik wiederfinden. Sie k\u00f6nnen einzeln verwendet oder aber auch miteinander kombiniert werden. Die hier vorgenommene Aufz\u00e4hlung der Technikprinzipien ist dar\u00fcber hinaus keinesfalls als abschlie\u00dfend zu betrachten; vielmehr k\u00f6nnen die Systemprinzipien auch durch andere \u2013 nicht im Programm verwendete &#8211; Technikprinzipien verwirklicht werden. In diesem Sinne ist auch eine Umsetzung der dargestellten Prinzipien durch eine andere Verteidigungsstrategie denkbar. Insoweit ist die ATK-SV ein dynamisches und sich entwickelndes System.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ver\u00f6ffentlicht in der Fachzeitschrift der Budo Akademie Europa \u201eBudo International\u201c, Ausgaben 65\/2014 und 66\/2015. Die aus dem Pr\u00fcfungsprogramm abgeleiteten Prinzipien der ATK-SV und ihre Bedeutung Kai M. Jacobi Die ATK-SV ist als reine Selbstverteidigung konzipiert. Die einen rechtswidrigen Angriff beendende und gesetzlich zul\u00e4ssige Verteidigung ist oberstes Systemziel. 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